Knochen und Viszera

Die tiefsten Schichten eines Schocks werden vom menschlichen Körper auf der Ebene der Knochen und der Organe gehalten. Subtil gefühlte Berührung kann dabei helfen, solche tiefschichtigen Schockmuster in diesen Körperebenen zu finden und aufzulösen. Zusammen mit den Gelenken, Muskeln und dem Zentralen Nervensystem sind die Knochen und die Viszera aus der SE-Perspektive die klassischen Ablageorte für akkumulierten Stress.

„Selbst winzige Veränderungen in der Viszera können den ganzen Körper beeinflussen.“

Dr. Peter Levine

Das Nervensystem innerhalb der Viszera ist sehr komplex. In den Organen des Bauchraums sind direkte Interventionen im dorsalen Vagus-System und in seinen Feedback-Schleifen möglich. Der grosse Vagusnerv besitzt einen metaphorisch einer Telefonzentrale entsprechenden Stamm, der zwischen den viszeralen Organen und dem Stammhirn verläuft und dabei durch Brust- und Bauchhöhle geht. Seine Rolle in der inneren Zell-Kommunikation ist deshalb zentral. 80% der Fasern, die zwischen Gehirn und Bauchraum Verbindungen herstellen, sind afferent. Sie vermelden Botschaften von unten nach oben, 20% sind efferent und gehen den umgekehrten Weg.

Selbst winzige Veränderungen in der Viszera können folglich den ganzen Körper beeinflussen. Auch Gefühlszustände tiefer Art werden dabei berührt, deshalb ist die Körperarbeit auf Ebene von Viszera und Knochen die direkte Leitung zu möglichen Veränderungen und Verbesserungen. Das Knochenmark ist ab Ende des vierten Embryonalmonats das wichtigste blutbildende Organ des Menschen.

Es füllt die Hohlräume der Knochen. Im Knochenmark werden fast alle Blutzellarten des Menschen gebildet. Das zeigt, wie bedeutsam das Knochenmark und das ihm innewohnende Bindegewebe für die Gesundheit des Menschen ist – auch wenn es beim Erwachsenen im Gegensatz zum Baby nur noch im Brustbein, den Rippen, in den Schädelknochen, den Schlüsselbeinen, den Wirbelkörpern, im Becken und den stammwärts gerichteten Enden von Oberarm- und Oberschenkelknochen zu finden ist. Im Knochenmark befindet sich zirka 10% allen Blutes des Körpers – auch deshalb ist die Körperarbeit mit Knochen und Knochenmark sehr zentral für eine umfassende Heilung und Kohärenz.

Augen, Knochen und Viszera Teil 2

Auf dem spezifischen Verständnis der Knochen aufbauend, erkundet Peter A. Levine in diesem Seminar vor allem die Organwelt. Er zeigt auch auf, wie die Viszera neuronal direkt mit den Augen verbunden ist und wie wir dort gebundenes Trauma aufspüren und lösen können. Vor allem die oft übersehene direkte Kommunikation zwischen unseren Augen und den Eingeweiden eröffnet ganz neue Blickweisen und Handlungsmöglichkeiten allem die Organwelt in der Begleitung von Betroffenen. Bei der Erkundung der weiten inneren Landschaft von körperlichen Empfindungen und viszeral gelagerten Emotionen und nuancierten Gefühlen wird meist auch die Rückverbindung zum tiefen inneren Selbst einer Person wach. Um diese Arbeit auf tiefsten Schichten leisten zu können, braucht es viel Präsenz und Einfühlungsvermögen –Normalerweise verstehen wir die Augen nicht als einen Teil der Viszera. Weil sie aber auf eine sehr ähnliche Art und Weise funktionieren, lohnt es sich, hier mit einer neuen Perspektive exakt hinzusehen. Wir haben natürlich efferente Nerven zu den Augenmuskeln. Welche die Augen bewegen und ihnen beim Fokussieren helfen. Ebenso natürlich haben wir ein Feedback von den Augen, analog zur Viszera und ihren afferenten Informationen. Deshalb wird die Augenarbeit auch als wichtiger Teil des umfassenden Verständnisses von Viszera-Arbeit präsentiert.

Die Viszera ist oft der engste Flaschenhals, wenn Menschen in ihren Augen viele Blockaden haben. Ohne die Arbeit an bestimmten Stellen der Viszera werden sich für den Kursleiter gewisse Über- oder Unterkopplungen in den Augen nicht lösen. Auch hier gilt wiederum das Gleiche in der Gegenbewegung: Ohne gezielte Augenarbeit können diese Orte in der Viszera gar nicht genügend stimuliert werden, um dort Neu-Verhandlung zu ermöglichen. Erstklassige Augenarbeit setzt deshalb voraus, dass wir genau wissen, was wir damit in der Viszera bewirken. Letztendlich geht es darum, Augen und Viszera wieder optimiert miteinander zu verbinden – und dann auch die Vernetzung mit den Knochen zu pflegen.
Die Viszera ist neuronal direkt mit den Augen verbunden.

Dr. Peter A. Levine

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