Im Zentrum des Nadelöhrs

Wer durch eine Todeserfahrung geht, bewegt sich durchs Zentrum eines Nadelöhrs. Selbst das Gefühl des Wiedergeboren-Werdens spielt sich in diesem Nadelöhr ab. Nahtodes-Erfahrungen, wie sie bei schweren Krankheiten, schlimmen Verletzungen und auch bei operativen Eingriffen vorkommen können, sind meist für die therapeutische Begleitung eine grosse Herausforderung.

Das Heraustreten aus dem Körper war oft eine so beglückende Erfahrung, dass es häufig nicht einfach ist, Menschen nach einer derartigen Grenzerfahrung wieder voll und ganz im Körper zu verankern. Wer mit diesen Nahtod-Zuständen und den sehr verwandten Erfahrungen im Koma oder in Anästhesie bewusst arbeiten will, braucht eine starke Fähigkeit in entspannter Fokussiertheit. Eine enorme Präsenz in Verbindung mit wacher Bereitschaft sind die Basis für diese fortgeschrittene Traumabegleitung.

Es kann in der Begleitung eine Stunde nichts passieren und dann kommt der Schlüsselmoment der Neu-Verhandlung: das bewusste Durchgehen durchs Nadelöhr. Dies ist insofern herausfordernd, als Nahtod- und Anästhesie-Erfahrungen enorm verführerisch sind und einen schnell in einen dissoziativen Zustand weglocken können. Das Ziel der Nahtod-Arbeit besteht darin, mit grosser Achtsamkeit und als hohe Kunst in den Sog des Todesvortex hineinzugehen, den Singularitätspunkt zu erreichen und von dort wieder hinauszugleiten.

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