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Im Zentrum des Nadelöhrs

Wer durch eine Todeserfahrung geht, bewegt sich durchs Zentrum eines Nadelöhrs. Selbst das Gefühl des Wiedergeboren-Werdens spielt sich in diesem Nadelöhr ab. Nahtodes-Erfahrungen, wie sie bei schweren Krankheiten, schlimmen Verletzungen und auch bei operativen Eingriffen vorkommen können, sind meist für die therapeutische Begleitung eine grosse Herausforderung.

Das Heraustreten aus dem Körper war oft eine so beglückende Erfahrung, dass es häufig nicht einfach ist, Menschen nach einer derartigen Grenzerfahrung wieder voll und ganz im Körper zu verankern. Wer mit diesen Nahtod-Zuständen und den sehr verwandten Erfahrungen im Koma oder in Anästhesie bewusst arbeiten will, braucht eine starke Fähigkeit in entspannter Fokussiertheit. Eine enorme Präsenz in Verbindung mit wacher Bereitschaft sind die Basis für diese fortgeschrittene Traumabegleitung.

Es kann in der Begleitung eine Stunde nichts passieren und dann kommt der Schlüsselmoment der Neu-Verhandlung: das bewusste Durchgehen durchs Nadelöhr. Dies ist insofern herausfordernd, als Nahtod- und Anästhesie-Erfahrungen enorm verführerisch sind und einen schnell in einen dissoziativen Zustand weglocken können. Das Ziel der Nahtod-Arbeit besteht darin, mit grosser Achtsamkeit und als hohe Kunst in den Sog des Todesvortex hineinzugehen, den Singularitätspunkt zu erreichen und von dort wieder hinauszugleiten.

Im Zentrum des Nadelöhrs Teil 2

Jedes Trauma beinhaltet eine Begegnung mit grosser Bedrohung – und als Folge davon auch eine Art Begegnung mit dem Tod. Es gibt zudem Menschen, die selber Todeszustände erlebt haben und danach wieder ins Leben zurückgeholt wurden. Einige der tiefsten und oft scheinbar kaum auflösbaren Traumasymptome betreffen Personen, die in solchen aussergewöhnlichen Bewusstseinszuständen wie steckengeblieben sind. Die gleiche Nahtoderfahrung trägt in sich aber auch das Potenzial für eine tiefe, dauerhafte und positive Transformation – sowohl auf persönlicher wie auch auf spiritueller Ebene.

Die Fähigkeit, mit solchen Bewusstseinzuständen in der Therapie zu arbeiten, kann für eine effektive Form von Trauma-Auflösung entscheidend sein. Um problematische Fixierungen im Zusammenhang mit nicht aufgelösten Todeserfahrungen einerseits überhaupt erst aufzuspüren und dann zu befreien, braucht es spezifische Techniken und hoch verfeinerte Wahrnehmungsfähigkeiten, die auf einer immer subtileren Ebene entwickelt und dann angewendet werden. Dieses hohe Niveau von Expertise ist entscheidend für das Auflösen von schwierigen Symptomen – wie auch für den langsamen, aber stetigen Aufbau einer authentischen spirituellen Entwicklung, die bei schweren Traumata oft beobachtet werden kann.

Dr. Peter Levine

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